Rückblick: MR4B Roadshow 2026
MR4B Roadshow 2026
Digitale Zukunftstechnologien für die Industrie
Unter dem Motto „Digitale Zukunftstechnologien für die Industrie live erleben, ausprobieren & diskutieren“ fand am 24. September 2026 die zweite MR4B Roadshow statt. Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen Anwendungen und Demon-stratoren zum Anfassen und Ausprobieren, die neue Perspektiven für betriebliche Prozesse und konkrete Einsatzmöglichkeiten eröffnen. Regionale Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Technologiepartner kamen zusammen, um eine breite Palette an Mixed-Reality- (MR) und XR-Anwendungen zu erkunden.
Schauplatz der diesjährigen Roadshow war mit dem Dock³ Lausitz ein Ort, der den Wandel von der traditionellen Energieerzeugung hin zu neuen Zukunftstechnologien wie kaum ein anderer symbolisiert. Um diesen Transformationsprozess greifbar zu machen, startete das Programm am Vormittag mit einer geführten Bus-Rundfahrt der ASG Spremberg GmbH über das Industriegelände Schwarze Pumpe. Dabei gab Alexander Scharfenberg (Industrieparkmanagement & Standortentwicklung / Altlastensanierung) direkte Einblicke in die Neuausrichtung des einstigen Kohle- und Energiestandorts – von der Papierproduktion über die Energiebereit-stellung durch Müllverbrennung und Abwasseraufbereitung bis hin zu Technikumsanlagen, Energiespeichern und neuen Industrieansiedlungen.
Erst simulieren, dann investieren
Nach der offiziellen Eröffnung der Roadshow durch das MR4B-Strategieteam aus BTU Cottbus-Senftenberg und X-Visual Technologies GmbH bildete die Keynote von Dr.-Ing. Marcus Thiele ein besonderes Highlight. Der Director Advanced Engineering bei Viessmann Climate Solutions zeigte auf, welches enorme Potenzial digitale Werkzeuge wie VR-Anwendungen für die Planung und Inbetriebnahme besitzen und wie dies im Unternehmen bereits erfolgreich in der Praxis genutzt wird.
Besonders bei komplexen Lösungen, wie beispielsweise Wärmepumpensystemen für bestehende Mehrfamilienhäuser, die weit über standardisierte Produkte hinausgehen, leisten diese Technologien einen wichtigen Beitrag. Sie helfen dabei, die Qualität zu steigern und Installationszeiten spürbar zu reduzieren.
Sein Fazit für die Zukunft der Wärmetechnologien: Erst in der Forschungskooperation simulieren, dann in die Praxis investieren.
Katrin Erb von der Transferstelle der BTU Cottbus-Senftenberg und Jenny Orantek, Prokuristin bei X-Visual, führten und moderierten im Anschluss souverän weiter durch den Tag.
Technologien zum Ausprobieren
Am Nachmittag tauchten die Besucherinnen und Besucher in die verschiedenen
Erlebnisstationen ein. In geführten Rundgängen wurden die Projekte der BTU Cottbus – Senftenberg, X-Visual Technologies, HTW Berlin, HTW Dresden, Viessmann Climate Solutions, Fraunhofer IEG, Hochschule Zittau/Görlitz, QCW Eisenhüttenstadt, mixed.world, TH Wildau, das Mittelstand-Digital Zentrum Spreeland sowie PerspektiveArbeit Lausitz (PAL) praktisch vorgeführt. Dies bot eine hervorragende Grundlage für den Ideenaustausch, die Diskussion möglicher Anwendungsfälle und das Gewinnen neuer Perspektiven über verschiedene Fachbereiche hinweg.
Folgende Anwendungen und Demonstratoren konnten vor Ort von den Besuchern ausprobiert werden:
- MR4Heatpump: Wärmepumpen-Installation mit 3D-Scans & Mixed Reality
- MR4H2: Mixed Reality & Modulare Planung (MTP) für Wasserstoffanlagen
- KeepCool: Virtuelles Gefahrentraining mit KI-Stressanalyse
- DIY MR Autorentool: Erstellung eigener Mixed-Reality-Lehrinhalte
- KEPLER: Nahtloses Pre-Engineering für Anlagen & Gebäude
- ViLeArn: Anwendungsorientierte virtuelle Lernsimulationen
- EECON | Energy Economics Lab im EIZ: VR-Forschung & Systemmodellierung zur Energiewende
- Digitale Fabrikplanung / SpreeTex NeXt: Virtuelle Fabrikentwicklung mit der ema-Software Suite
- DIREKT / Chesco: Smarte Motor-Montage & Werkerassistenz
- EDIH pro_digital: Digital- & KI-Beratung für Unternehmen und Verwaltungen
- Mobile Digitale Fabrik: Praxisnahe Anwendungsbeispiele und Best-Practise-Lösungen rund um Digitalisierung und KI
- PAL on Tour: Arbeits- und ingenieurwissenschaftliches Know-How für eine effizientere Arbeitswelt Lausitz
Beim Ausprobieren der Hardware und Software wurden auch kritische und grundlegende Fragen aufgeworfen, die die Unternehmen aktuell umtreiben: Woher kommen eigentlich die Daten? Was sind die konkreten Arbeitsschritte und Workflows zur Vorbereitung bei VR? Und vor allem: Was nützt den Unternehmen das alles wirklich in der Praxis, wenn man den reinen KI- oder VR-Hype einmal ausblendet?
Dass die Technologie bereits reif für den Industriealltag ist, zeigte sich auch beim Handling: So testete man teils unfreiwillig die erstaunliche Robustheit der VR-Brillen – das Equipment erwies sich als weitaus widerstandsfähiger, als man denken würde.
Im Anschluss blieb bei Kaffee und Kuchen noch Zeit für eine Auswertungsrunde und Netzwerken, bevor die Veranstaltung mit einem gemeinsamen Ausblick zu Ende ging.
Der Mensch im Mittelpunkt des Wandels
Transferveranstaltungen wie die MR4B-Roadshow sind für Innovationsbündnisse von hoher Wichtigkeit, da so das Wissen und die Technologien aus den Forschungskooperationen direkt in die Regionen zu den Unternehmen gebracht wer-den können. Linus Schoele, einer der Geschäftsführer der BAS-Solutions GmbH und langjähriger MR4B-Bündnispartner, brachte es auf den Punkt: „Die Technologien für die industrielle Transformation sind vorhanden. Entscheidend ist, die richtigen Menschen, Ideen und Projekte zusammenzubringen.“
Auch die Initiative PerspektiveArbeit Lausitz (PAL) hat es sehr treffend formuliert: Digitale Technologien können nur gemeinsam mit den Menschen erfolgreich implementiert werden.
Der direkte Austausch ist also der Schlüssel, und solche Transferveranstaltungen verdeutlichen, dass das WIR!-Bündnis MR4B hierbei eine wichtige Aufgabe leistet.
Das WIR!-Bündnis MR4B
Das Innovationsbündnis MR4B – Mixed Reality for Business wird vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt im Rahmen der Förderlinie „WIR! – Wandel durch Innovation in der Region“ gefördert. Das BMFTR gibt damit den Anstoß für neue regionale Bündnisse und einen nachhaltigen, innovationsbasierten Strukturwandel in strukturschwachen Regionen Deutschlands.
Seit 2022 entwickelt MR4B Mixed-Reality-Anwendungen in Verbindung mit KI-Technologien für Industrie und Handwerk in der Metropolregion Berlin-Brandenburg. Mixed Reality steht dabei für das Zusammenspiel von digitalen Zukunftstechnologien wie Virtual Reality, Augmented Reality und KI. Das klare Ziel: Den Zugang zu diesen Technologien auch für kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) zu gewährleisten.
Um das zu erreichen, arbeiten die BTU Cottbus-Senftenberg und das Softwareunternehmen
X-Visual Technologies gemeinsam an der strategischen Umsetzung. So wurde auch die Roadshow gemeinschaftlich unter der Leitung von Katrin Erb und Beatrix Krautz (Transfer BTU) sowie Jenny Orantek und Wolfgang Welscher (X-Visual) organisiert – mit tatkräftiger Unterstützung der ASG Spremberg GmbH vor Ort im Industriepark Schwarze Pumpe (Catherine Lindner und das Team des Dock³).
Eine Zusammenarbeit mit Erfolg, denn das MR4B-Netzwerk wächst stetig: Mittlerweile hat das Bündnis bereits 13 Projekte auf die Beine gestellt, in denen mehr als 100 Personen arbeiten. Zusammengesetzt ist das Bündnis aus über 60 Partnern aus Wissenschaft und Wirtschaft, darunter namhafte Institutionen wie die HTW Berlin, TU Berlin, BAM, HTW Dresden, Fraunhofer, Rösberg Engineering oder Viessmann Climate Solutions. MR4B ist ein offenes Bündnis und freut sich jederzeit über neue Partner und Projektideen, die diesen Transfergedanken weitertragen – ganz im Sinne der Roadshow.
Deshalb steht die nächste MR4B-Roadshow auch bereits in den Startlöchern und die Vorbereitungen für den Halt im Herbst 2027 haben begonnen – dann wieder mit den neuesten Entwicklungen aus bestehenden Projekten wie MR4Heatpump, ViLeArn und MR4H2 sowie vielen neuen Projekten, Partnern und Technologien.
